
Eines Abends, es war schon recht spät, vernahm Ole, der bis gerade eben noch süß geträumt hatte, Geräusche aus der Wohnstube. Etwas verwirrt und leicht schlaftrunken setzte er sich auf und kletterte aus seinem Etagenbett, welches er sich mit seiner kleinen Schwester Anna teilen musste. Sich den Schlaf aus den Augen reibend, warf er sich seinen Bademantel über und tapste auf Zehenspitzen in Richtung Stube. Ein dämmernder Lichtkegel einer Kerze drang durch einen kleinen Türspalt und ein Gespräch zwischen Mama Sone und Papa Ditmar war nun deutlicher zu hören, obwohl sie sich alle Mühe gaben sich im Flüsterton auszutauschen. Auch wenn Ole genau wusste, dass diese Worte definitiv nicht für seine Ohren bestimmt waren, schlich er noch ein bisschen näher heran, um besser lauschen zu können.
«Beinahe wie ein richtiger Spion, ging es ihm durch den Kopf. Wie hieß der noch gleich? Bond, Jingle Bond, richtig!»
«…und du glaubst wirklich, dass sie dir die Beförderung zum Chef-Elektriker erstmal nicht geben werden? Wie lange sollst du denn noch warten? Das ist doch zum Rentiermelken! Es würde uns so sehr helfen unser großes Finanzloch zu stopfen. Wir haben kaum noch Taler übrig, Liebling», flüsterte Sone.
«Ich weiß, mein Schatz. Ich gebe immer alles, damit ich mehr nach Hause bringen kann, aber es reicht trotzdem nicht. Könntest du denn nicht ein paar mehr Stunden in der Bäckerei machen?»
Leicht verärgert zog Sone die Augenbrauen hoch. «Und wer kümmert sich dann um die Kinder, den Haushalt und dann steht ja auch noch Weihnachten vor der Tür!»
Ole bemerkte die traurige Stimmung seiner Eltern sofort und spürte bereits selbst ein beklemmendes Gefühl in der Brust. Papa Ditmar und Mama Sone gaben wirklich alles, um bestens für die kleine Familie zu sorgen, doch es schien einfach nicht auszureichen.
Blitzartig wurde ihm klar, dass er nun auch in der Pflicht stand seinen Beitrag für die Familie zu leisten und sich eine gute Strategie zu überlegen. Da kamen ihm sofort seine Mitschüler in den Sinn, die zwar teilweise älter als er waren, aber bereits einen Aushilfsjob in der großen Glitzerfabrik hatten. Wenn er seinen Freund Jonas überzeugen konnte für ihn ein gutes Wort bei seinem Chef einzulegen, stiegen die Chancen, dass auch er dort ein paar Taler dazu verdienen könnte.
Die Glitzerfabrik war landesweit bekannt und mit einer der wichtigsten Firmen für das schönste Fest des Jahres, nämlich Weihnachten. Der Glitzerstaub war für den Weihnachtsmann enorm wichtig, denn dadurch ermüdeten die Menschenkinder vor dem Weihnachtstag so stark, dass sie weniger aufgeregt waren und von den wunderschönsten Dingen der Welt träumten. Wenn in den Tiefen der Nacht die tanzenden Nordlichter auf den matten Schnee schienen, fing dieser an in seiner schönsten Pracht zu glitzern. Und um genau diesen Glitzer ging es. Er wurde in größten Mengen durch die jungen Wichtelmänner abgetragen und auf riesigen Transportern in die Glitzerfabrik gefahren. Hier wurde der Glitzer nun zu Glitzerstaub verarbeitet und in Perlengroße Kugeln gepresst. Diese Kugeln wiederum wurden in den Tank des Weihnachtsmann Schlittens gefüllt.
Für Ole stand sofort fest, dass er gleich am nächsten Morgen zu Jonas gehen würde. Er konnte ja nicht ahnen, dass sein Entschluss das Schicksal von ganz Glitzerfurt beeinflusst.
