Kapitel 17

In der Bäckerei

Mit der Zapfenmetro waren es lediglich nur drei Stationen bis zur Bäckerei Roetzebaeck, in der Ole’s Mutter arbeitete. Geschäftstüchtig nutzte Frau Roetzebaeck diesen lukrativen verkaufsoffenen Sonntag, um ihre neuesten Kreationen der berühmten Wichtelwölkchen den Leuten schmackhaft zu machen. Um neue Kunden anzulocken nutzte sie in der Woche zuvor den Bekanntheitsgrad der Tageszeitung Wolkenblitz und schaltete eine plakative Werbeanzeige.

«Jetzt frisch bei Roetzebaeck: Die himmlischen Wichtelwölkchen mit neuer Geschmacksrichtung! Besuche uns am verkaufsoffenen Sonntag und lass dich verzaubern!»

Eine breite wartende Wichtel-Traube hatte sich draussen vor der aufgestellten Verkaufstheke mit den angepriesenen Gebäckstücken gebildet und versperrte den Weg in die ebenso volle Bäckerei. Die salzige Variante der Wölkchen schien offensichtlich bei den Leuten sehr gut anzukommen und zauberte ihnen ein Lächeln ins Gesicht. Geschickt kämpfte sich Ole durch die Schlange und erspähte über die Köpfe seine Mutter hinter dem Tresen, die grade eine genervte Kundin bediente. Mit so viel Andrang auf einmal hatte wohl niemand gerechnet und auf Mama Sone’s Stirn glänzten ein paar Schweiss Tröpfchen. Sone war so beschäftigt, dass Ole unbemerkt durch den schmalen Gang nach hinten in die Backstube gelangte. Auf Zehenspitzen und mit angehaltenem Atem schlich er sich hinter einen hohen mit Blechen gefüllten Rollwagen und lugte vorsichtig um die Ecke. Die Bäcker waren genauso tief in ihre Arbeit versunken, dass der Wichteljunge heimlich eines dieser neuen Wichtelwölkchen stibitzen und in seiner mitgebrachten Tüte versenken konnte. Unauffällig pirschte er sich wieder zurück durch das Verkaufslokal ins Freie und atmete tief durch. Wie schaffte das Jingle Bond nur?

Für seine Heimreise setzte sich Ole einfach in den nächsten Eichelbus und lehnte seinen Kopf erschöpft an das Fenster. Ausser ihm und dem Busfahrer gab es keine weiteren Fahrgäste, so dass er bis zu seiner Ankunft vor sich hindösen würde. Nur das Rütteln der Scheibe hielt ihn davon ab augenblicklich in einen tiefen Schlaf zu sinken. Mit schweren Augen verfolgte er die vorbeiziehenden Strassen und den lärmenden Stadtverkehr. Der Eichelbus fuhr an den Wolkenkratzer des Finanzviertels mitsamt der Börse vorbei und hielt wenig später am Römerplatz vor dem alten Rathaus. Während einige Wichtel und Kobolde in den Bus zustiegen, bemerkte Ole plötzlich die beiden Spürnasen Eichhörnchen und die Spezialeinheit des CSI Nordpol am Rande des Platzes. Die Polizei hatte anscheinend alle Mühe die aufgebrachten Tiere unter Kontrolle zu halten, da sie aus allen Richtungen einen Duft wahrzunehmen schienen. Ständig reckten sie ihre Stupsnasen in die Luft und sprangen nervös auf und ab. In diesem Moment fragte sich Ole was die Eichhörnchen aufgespürt hatten und war sichtlich erleichtert, als der Bus endlich wieder seine Fahrt aufnahm. Aufgeregt liess er seine Hände in die Jackentaschen gleiten und umklammerte vorsichtig die beiden Tüten, als ob er sie vor der Polizei und den Spürnasen verstecken müsste.

Endlich zuhause angekommen verschwand Ole unmittelbar in seinem Zimmer und legte die beiden Tüten auf seinen Schreibtisch. Er knipste die helle Feenlampe an und fing an das Wichtelwölkchen zu inspizieren. Der intensive Salzgeruch, der ihm durchdringend entgegnete, gefiel ihm gar nicht, aber da musste er nun durch. Mit einem kleinen Messer bewaffnet durchtrennte er das Gebäck in zwei gleichgrosse Hälften. In der Mitte erschien eine schwarze klebrige Masse als Füllung. Das war also dieses Lakritz von dem aktuelle alle sprachen, da war sich Ole absolut sicher.

Doch was hatte jetzt das Lakritz mit dem Glitzer zu tun?