Kapitel 15

Spionage am Sonntag

Einen direkten Sinn ergaben die im Büchlein hinterlegten Notizen der Brüder noch nicht. Darum war es umso wichtiger, dass sie jetzt den einzelnen Hinweisen nachgingen. Drei Fragen gab es im Fall «Schwarzer Glitzer» zu klären:

  1. In welchem Zusammenhang stand das Salz mit dem Glitzer
  2. Woher kam der Rauch
  3. Was hatte Papa Ditmar damit zu tun?

«Am besten, wir teilen uns auf. Bomm und Till, ihr spioniert heute Papa hinterher und notiert alles, was euch auffällig erscheint. Ich kümmere mich um den Salzgeschmack.» beratschlagte Ole, der offensichtlich genau wusste wie man an einem Fall arbeitete. Vielleicht hatte er auch einfach zu viele Jingle Bond Bücher gelesen. Das Vertrauen der Zwillinge hatte er jedenfalls sicher und so begaben sie sich in die Wohnstube, um ihren Vater zu observieren.  Das bereitete den aufgeweckten abenteuerlustigen Kerlchen natürlich eine riesige Freude!

Es dauerte nicht lange bis das der Vater mit den Worten « Ich gehe rasch etwas besorgen» das Haus verliess und in den kleinen Vorgarten verschwand. Da fast alle Geschäfte sonntags geschlossen hatten, klang das in den Ohren von Till und Bomm sehr verdächtig und so folgten sie ihm direkt und unauffällig. Zum Glück hatte die Sonne ihren Weg durch die Wolkendecke gefunden und versprühte eine wohlige Wärme.

Zweimal links und einmal rechts abgebogen erreichte Papa Ditmar das verschnörkelte Eisentor des hiesigen Stadtparks und betrat pfeifend den breiten Pfad in Richtung Norden. Die Zwillinge hefteten sich durchgehend an seine Fersen, wobei sie akribisch darauf achteten, sich überall im Hintergrund zu verstecken. Der Vater trällerte einen altbekannten Gassenhauer der Wichtelflitzer und schien seinen gemütlichen Spaziergang in vollen Zügen zu geniessen. Mit seiner blauen Filzjacke und dem beigen Jutesäckchen mit der Aufschrift «Lichtbom – » würde man ihn niemals verdächtigen. Doch wenn das nur seine Taktik war, um von seinem Geheimnis abzulenken?

Am Wegesrand säumten sich in regelmässigen Abständen gemütliche Holzbänke, die zum Verweilen einluden. Ditmar liesse diese unbeachtet und bog rechts ab, bis dass er vor dem grossen zugefrorenen See stehen blieb und den Kindern beim Eislaufen zusah. Er seufzte sehnsüchtig beim Gedanken an seine eigene Kindheit, als er selbst noch mobil genug für das rutschige Eis war und rückte seine Tasche zurecht. Der Kobold, der an seinem roten Büdchen warme Wolkensplitter und heissen Kakao mit Marshmallows verkaufte, hatte wirklich alle Hände voll zu tun.

Der Vater machte sich wieder auf den Weg und nun wurden Till und Bomm plötzlich ganz wachsam und aufgeregt. Er bewegte sich beängstigender Weise auf die kriminelle Brücke zu, unter der gelegentlich dubiose Kobolde mit Salz handelten. Den Brüdern stockte der Atem und sie hofften so sehr, dass Ditmar diesen Ort nur unschuldig passieren würde. Erleichtert atmeten sie aus, als dieser fröhlich in Richtung Parkausgang wanderte. Allmählich wurden den Jungen klar, wo ihr Vater genau hinwollte. Heute war nämlich verkaufsoffener Sonntag und er betrat den vielseitigen Supermarkt «Sieben Elf», der auf der gegenüberliegenden Seite des Parks lag.

Die Zwillinge beobachteten, dass Papa Ditmar ein paar dicke Äpfel, Zimt, Vanille, Rahm und Rosinen kaufte. Obwohl Till und Bomm klar war, dass Mama Sone heute ihr Lieblingsessen, nämlich Bratäpfel, zubereiten würde, notierten sie alle observierten Ereignisse auf ihrem Notizblock und machten sich ebenfalls auf den Heimweg, um Ole von ihren langweiligen Entdeckungen zu berichten.

Punkt Drei auf ihrer Liste konnten sie definitiv streichen, denn eines war gewiss: Papa Ditmar hatte eine reine weisse Weste!