Kapitel 12

Anna holte tief Luft, nahm all ihren Mut zusammen und erzählte ihren Brüdern, was an diesem Tag in der Schule gelaufen war.

„Heute Morgen als ich zur Schule ging, hatte ich schon wieder ein mulmiges Gefühl im Bauch. Ronja Roetzebaeck, die Tochter der Bäckereichefin hatte es ja schon länger auf mich abgesehen. Ich verstehe aber gar nicht warum, denn ich habe ihr nie etwas getan. Das ist sooo gemein! Die letzten Wochen waren echt schlimm für mich. Manchmal stellte Ronja mir ein Beinchen, so dass ich peinlicherweise der Länge nach vor den anderen zu Boden fiel. Ständig beschmiss sie mich im Unterricht mit Papierkugeln. Und einmal befüllte sie heimlich meinen Spint mit ekligem Salzgebäck. Ich weiss natürlich genau, dass sie es war, die blöde Gnomin!

Als ich dann heute Morgen extra so spät wie möglich in das Klassenzimmer kam, war unsere Lehrerin Frau Wurzelzahn leider noch nicht da. Offensichtlich wurde sie durch den Stadtverkehr aufgehalten. So unauffällig wie möglich huschte ich zu meinem Sitzplatz, aber Ronja hatte mich trotzdem gesehen und trat direkt vor mein Pult. Oh man, ich hatte wirklich Angst vor ihr. Seit ihr Bruder der Kapitän des Wichtel Warrior Teams geworden ist, kommt sie sich noch viel besser vor und trägt jetzt sogar seine College Jacke mit „WW“ drauf.

Und dann hat sie mich direkt auf Papa angesprochen. Sie meinte, dass die Laternenfabrik unter erheblichen Verdacht stehe etwas mit dem schwarten Glitzer zu tun zu haben. Da unser Vater ja dort arbeitet behauptete sie, dass er nun als Hauptverdächtiger gelte und er sicher der Drahtzieher sei. Das hat mir so einen Stich ins Herz gemacht und ich musste natürlich direkt weinen. Wie kann sie so etwas über Papa sagen? Er ist doch kein Bösewicht! Ronja sagte, dass wir ihn demnächst ja im Knast besuchen könnten. Daraufhin haben alle gelacht und ich bin aus dem Klassenzimmer gerannt, weil ich so geweint habe. Ich habe mich noch nie so gedemütigt gefühlt. Bitte sagt mir, dass Ronja mich nur ärgern wollte!“

Die Zwillinge kochten vor Wut, beteuerten aber sicher, dass ihr Vater unschuldig war und er auf gar keinen Fall ins Gefängnis ginge. Dann trösteten und umsorgten sie ihre kleine Schwester, damit sie sich von diesem Schreck erholen konnte.

Niemand machte sich über die Wichtelmanns lustig! Insgeheim schmiedeten die Brüder bereits einen Racheplan.