Kapitel 3

Während die Nachricht, dass Wichtelfurts Glitzer nun schwarz war, in allen Ecken verbreitet wurde, kam Papa Ditmar gerade in der Fabrik an. Wie jeden Morgen ärgerte er sich noch immer vehement über den Berufsverkehr, dem er tagtäglich ausgesetzt war und bekam den Trubel um den Glitzer zunächst gar nicht mit. Viel zu sehr kreisten seine Gedanken um den Arbeitsweg, denn seinem Gefühl nach wurden es immer mehr Pendler in den Eichelbussen und der Zapfenmetro, was natürlich gar nicht sein sollte. Immer mehr Migrations-Wichtel zogen in die Stadt oder besiedelten das Umland und drückten sich zusammengequetscht in den dichten Berufsverkehr. Wie oft wünschte sich Ditmar in diesen Momenten einen der neumodernen Wesla, mit dem man sich in Sekundenschnelle an einen anderen Ort befördern konnte. Seit über 22 Jahren ersehnte er einen Durchbruch seiner Zuckerstangen-Aktien am Wichtelmarkt WAX, um an Reichtum zu erlangen. Aber so wie es aussah, war dies leider eine absolute Fehlinvestition gewesen. Hätte er damals besser auf seinen Schulfreund Bosse und nicht auf diesen neureichen Obermacker Lasse gehört. Bosse hatte in den richtigen Trend, den Wichtcoins investiert, dabei eine ordentliche Menge Taler erwirtschaftet und lebte nun als Millionär in einer dieser Maisonette-Lofts direkt auf der Wichtelallee. Er besass mittlerweile übrigens zwei Wesla 3000.

Nicht, dass Ditmar neidisch auf ihn war. Vielmehr ärgerte er sich über sich selbst, dass er sich einfach falsch entschieden hatte. In der nach Salzgebäck stinkenden Zapfenmetro musste er jeden Tag seinen Aktenkoffer fest an seinen kleinen rundlichen Körper drücken. Und oftmals rückte er sich die runde Brille zurecht und seufzte dabei tief in seinen dichten grauen Bart hinein. Oh, wie schön wäre ein Wesla nun!

Papa Ditmar schüttelte die schlechten Gedanken ab. Heute würde alles anders werden, denn sein heutiger Arbeitstag würde sicher reibungslos verlaufen und ihn beflügelten grosse Hoffnungen, nun endlich bei seinem bereits dritten Anlauf die verdiente Beförderung zu bekommen.

Eilig schlüpfte er in seinen olivgrünen Arbeitsoverall, schnürte sich seinen Werkzeuggürtel um seine Hüften und verbrannte sich die Lippen an dem frischen Kaffee, den er kurz zuvor schnell aus dem Automaten gezogen hatte. «Verflixt und zugenäht“, schrie er erschrocken und schmerzvoll auf, so dass ihn die Arbeitskollegen irritiert musterten.

Ditmar war so spät dran, dass er nicht mal Zeit für einen Blick in die Tageszeitung hatte, die ausgebreitet auf dem Tisch in der Mitte des Verpflegungsraums lag.

Ein paar seiner Mitarbeiter, für die er in seiner Abteilung verantwortlich war, scharrten sich aufgeregt murmelnd um diesen Tisch herum. Doch dafür war jetzt nun wirklich keine Zeit mehr.

«So Männer“, rief Ditmar freundlich aber bestimmt in die Runde, „ich möchte ja nicht unhöflich sein, aber die Arbeit ruft. Die Laternen leuchten nicht ohne uns! Packen wir es an!»

Die «Aber Chef, der Glitzer ist schwarz»-Gegenwehr ignorierte er beflissentlich, weil er in seiner langen Karriere schon zu viele Ausreden gehört hatte. Und diese war nun wirklich nicht witzig oder originell. Gerade als sich Papa Ditmar in die Arbeit stürzen wollte, wurde die gesamte Produktion lahmgelegt und die Chefs befahlen allen Mitarbeitenden sich in der Halle zu versammeln.

«Wie ihr sicher in der Zeitung gelesen habt, werden die gesamten Produktionen in ganz Glitzerfurt ab heute eingestellt. Unser wichtigstes Gut, unser Glitzer, ist seit gestern Abend schwarz. Solange niemand weiss, warum und wie man es beheben kann, müssen wir auch vorerst unser Werk schliessen. Das sind Anweisungen des Oberwichtelmeisters Zuckerbär. Vielen Dank für euer Verständnis!»

Nein, nein und nochmals nein!

 Das konnte doch alles nicht wahr sein. Schon wieder wurde er enttäuscht und musste ohne seine Beförderung nach Hause gehen. Und noch viel schlimmer: Was war denn mit dem Glitzer passiert?