Kapitel 2

Gleich am nächsten Tag, als die Pausenglocke der Wichtelschule ertönte, rannte Ole sofort zu seinem Freund Jonas, um ihn nach seiner Hilfe bezüglich des Aushilfsjobs in der Fabrik zu fragen.

«Sag mal Jonas, samstags arbeitest du doch immer in der Glitzerfabrik. Könntest du vielleicht ein gutes Wort bei deinem Chef für mich einlegen und ihn fragen, ob ich auch aushelfen könnte? Ich könnte wirklich ein paar Taler gebrauchen, weil ich auf die neue Zauberkonsole sparen möchte.»

«Eine Zauberkonsole? Das ist eine magische Idee, Ole! Auf die spare ich auch schon. Mein Chef ist echt nett und ich denke das sollte klappen. Bist du auch stark genug und bereit auch an den ganzen Wochenenden zu helfen? Die Weihnachtszeit braucht wirklich viele starke Wichtel!»

Für Ole war das natürlich kein Problem und so begleitete er Jonas direkt nach der Schule in die Fabrik, in der sie augenblicklich auf den Vorarbeiter Ali trafen. Dieser lud Ole für den kommenden Nachmittag zum Probearbeiten ein. Ole war sehr zufrieden mit der Situation und eilte glücklich nach Hause. Seine Eltern sollten davon erstmal nichts wissen, damit sie sich keine Sorgen machen mussten. Das taten sie eigentlich immer, wenn sie das Gefühl hatten, dass eines ihrer Kinder die Schule vernachlässigen könnte. Doch Ole war ein sehr guter Schüler und sehr schlau und fleißig dazu. Vor allem in Wurzelkunde und Glitzerchemie hatte er immer sehr gute Noten und gehörte zu den Klassenbesten.

Die Probeschicht verlief so gut, dass der Vorarbeiter Ole für die nächsten drei Wochenenden eingeplant hatte. Körperlich war es für den doch eher schmächtigen Wichteljungen eine große Herausforderung, aber er nutzte diese als sein persönliches Training, um seinen Körper etwas robuster und stabiler aufzubauen. Allein die Schaufel, mit der er den Glitzer abgetragen hatte, war so schwer, dass er sie anfangs kaum halten konnte. Doch schon in seiner zweiten Schicht ging ihm die Arbeit immer leichter von der Hand und er trug beinahe so viel Glitzer ab wie Jonas, der diesen Job schon seit 3 Monaten ausübte.

Ole war sehr stolz auf sich. Aber noch glücklicher machten ihn die ersten Taler, die er nach den Wochenenden mit nach Hause brachte und unter seiner Matratze versteckte, damit seine Eltern und Geschwister nichts davon mitbekamen. Es sollte eine Überraschung werden. Diesen erzählte er übrigens, dass er sich für das Sportcamp der Wichtel Warrior angemeldet hätte. Dadurch wurde auch niemand von seiner zunehmenden Fitness überrascht und gönnte ihm abends die wohlverdiente Bettruhe.

Vorfreudig trat der Wichteljunge seiner dritten Samstagsschicht entgegen, zog sich den Bauhelm auf und die Stahlkappenstiefel an und stapfte durch den tiefen weichen Schnee hinüber zu seinen Kollegen.

Doch was war denn hier los?

Ole traute seinen Augen kaum. Wie immer tanzten die Nordlichter durch die Baumwipfel hindurch und erreichten eindeutig die große schneebedeckte Lichtung, die von weiter Ferne schon durch das Funkeln des Glitzers zu sehen war.

Doch heute war alles anders.

Der Schnee war dunkel, denn er war von schwarzem Glitzer überzogen und damit völlig wertlos. Verdattert standen alle Arbeiter mit offenen Mündern vor der Lichtung, bevor sie alle wild durch die Gegend liefen und diese Schreckensnachricht wie ein Lauffeuer verbreiteten. Was zum Wichtelfichtel war bitte in Glitzerfurt passiert?